Samstag, 24. April 2010

Hochzeitszeit

Hallo meine lieben Leser,

ich melde mich mal wieder zu Wort. Heute durfte ich eine ecuadorianische Hochzeit miterleben, da sich Dario und Gabi das Ja-Wort gegeben haben. Wie aufgeregt das ganze Centro Tage vorher schon war.. vorallem die Frauen. Was zieh ich an? Ich brauch umbedingt noch Schuhe! Und so weiter... =)
Aber heute war es dann endlich so weit. Um 14:30Uhr (viel zu spät) sind die Verena, der Jose und ich an der Kirche angekommen. Ich hatte schon Panik, dass wir keinen Platz mehr bekommen, aber siehe da - die Kirche ist geschlossen und keiner da. Haben wir uns etwa in der Kirche geirrt? Aber nein, da kommt der Bräutigamm dahergeschlendert und sagt:"Oh, ihr seid die ersten." Na ja, in Ecuador kommt man eben auch zu Hochzeiten nicht pünktlich. Eine Stunde später, war die Kirche dann gefüllt und die wirklich wunderschöne Gabi mit dem Papa. Und es war einfach soooo romantisch! Ein sehr schöner Gottesdienst! Danach gab es dann erst mal ein stundenlanges Fotoshooting, denn jeder, wirklich jeder wollte sich mit dem Brautpaar fotographieren lassen. Dann ging es los zu einem kleinen Restaurant zum feiern. Dort wurde erst mal gratuliert und beschenkt und natürlich gab es noch eine Ansprache von den Eltern und dem Brautpaar. Ich dachte ja eigentlich, dass der nächste Programmpunkt dann das Essen sein würde, was auch dringend nötig gewesen wäre. Ich hab mich nähmlich mit nichts essen den ganzen Tag auf das grosse Fressen in der Nacht vorbereitet, aber nichts wars... um 10 Uhr!!!! gab es essen. Davor wurde viel getanzt und natürlich auch jede Menge getrunken, wie das hier üblich ist. Als Essen gab es für jeden einen Saft und einen Teller mit Reis, Fleisch und Salat. Und zum Nachtisch natürlich die in pink und orange gehaltene Hochzeitstorte. Man hatten wir einen Hunger =) Dann wurde mir klar, warum es das Essen so spät gibt - das Essen war vorbei und fast die Hälfte der Leute hat sich verabschiedet. Das hat aber der Stimmung nicht geschadet. Es wurde weiter getanzt und getrunken. Dann gab es eine Liveperformance der Musikgruppe von Darios Bruder und natürlich auch von seiner eigenen Gruppe "Solo Pueblo". Da der Sänger leider schon ein bisschen zuviel Wiskey getrunken hatte, waren die Töne nicht immer ganz getroffen. Insgesammt wurde die Stimmung immer angetrunkener. Na ja, wir haben einfach weiter getanzt, gefeiert und die Stimmung genossen bis um 12 Uhr alle nach Hause gegangen sind. Es war eine wiklich schöne Hochzeit, aber es gab leider keine besonderen Bräuche. Als wir nachgefragt haben, wurde uns gesagt, dass normalerweise, die amerikanischen Bräuche übernommen werden, aber das Hochzeitspaar das nicht wollte.
Für mich war es sehr besonders an einem so wichtigen Augenblick von Dario und Gabi teilhaben zu dürfen und werde sicher immer mit viel Freude daran zurückdenken.

Dienstag, 6. April 2010

Semana Santa y la pascua

Hallo liebe Daheimgebliebenen,
erst mal möchte ich euch allen ganz frohe Ostern wünschen! Ich hoffe ihr hattet schöne erholsame Feiertage mit Familie und Freunden und hoffentlich auch mit ein bisschen Sonnenschein.
Meine Osterfeiertage waren auch recht schön und sehr erlebnisreich. Als erstes in den Festlichkeiten kam wohl das "Fanesca" essen am Gründonnerstag. Die Fanesca ist eine Art Eintopf aus 14 Getreide und Maissorten zubereitet und das traditionelle Gericht zu Ostern. Die meisten Körner die da reinkommen kennen wir in Deutschland nicht einmal, so wie Chocho oder Melloco. Mir hat es jedenfalls recht gut geschmeckt, auch wenn man nicht mehr als einen Teller essen kann, weil es einfach zu mächtig ist. Dazu gibt es dann fritierte Bananen und Backerbsen in gross und zum Nachtisch Milchreis und eingelegte Feigen. Der grösste Spass war allerdings eher das Vorbereiten der Zutaten am Tag vorher. Habt ihr schon mal Maiskörner geschählt? Ich schon! Auch wenn ich den Sinn dahinter immer noch nicht ganz verstehe, war die Schlacht mit dem Jose nachdem schälen mit den Schalen ein ziemlicher Spass.. nur das putzen danach war nicht so der Hit =)Am Karfreitag waren die Verena und ich in der Altstadt bei der bekannten Prozession "de Jesus del gran poder". Diese Prozession war auf jedenfall ein Erlebnis, das wir so schnell nicht wieder vergessen. Ein ganz wichtiger Part dieses Spaktakels sind die Cucuruchos in ihren violetten gewändern. Es war eine eigenartige Stimmung in den Strassen vom Centro Historico von Quito. Ein Schauplatz von Menschen, die einen Leidensweg gehen wollen, wie Jesus. In der prozession wechseln sich "normale Menschen", Blaskapellen und Gruppen von Cucuruchos ab. Diese Gruppen lassen mir jedesmal einen richtigen Schauer über den Rücken laufen. Viele von den vermummten Büssern laufen den ganzen Weg Barfuss oder mit einem Stück Karton mit Klebeband an den Füssen. Viele haben Jesusstatuen in der Hand und einige Männer religiöse Parolen auf den nackten Oberkörper geschrieben. Jede 20 Meter kommt ein Mann als Jesus verkleidet mit einem Kreuz auf dem Buckel, manche kleiner, manche halbe Maibäume. Zwischendrinnen kommen junge Männer die sich selbst geiseln - indem sie sich Brennesselbüschel oder Seile mit Knoten immer wieder auf den Rücken schlagen, mit Ketten an den Füssen laufen, den ganzen Weg einen Querbalken, an den die Arme festgebunden sind, auf den Schultern tragen oder sich den Oberkörper mit Stacheldraht einbinden. Da war ein Junge, so alt wie ich, wenn nicht noch jünger, dessen Rücken schon ganz offen war, wegen dem Seil, mit dem er sich geschlagen hat. Ich frage mich immer wieder, was diesen Jungen dazu bringt das zu tun? Es war eine gruselige Stimmung und ich hätte gerne die Gedanken der Selbstgeiseler gehört, um zu wissen was sie dazu bewegt.


Am Karsamstag hatten wir eine grosse Aktion der Jugend im Süden von Quito - die Caminata al Cinto, eine Wanderung zu einer kleinen Kapelle auf einem der umliegenden Berge. Das war wirklich schön und auch ganz schön anstrengend. Zwei Stunden berauf und wir waren angekommen und hatten einen wunderschönen Blick auf pure grüne Landschaft. Aber was einfach gefehlt hat, war das gute Schwarzbrot und der Tee wie beim Karmelkreuzweg. Der Jugendgottesdienst mit andiner Band und 300 Jugendlichen war sehr schön und hat uns auch ein bisschen mehr auf Ostern eingestimmt. Der Absieg war dann nicht mehr so schlimm, ausser das wir ein bisschen improvisieren mussten, weil wir uns verlaufen hatten. Aber wer mag nicht ein bisschen Abenteuer?!
Am Sonntag haben die Verena und ich uns mal wieder in der deutschen Gemeinde blicken lassen und einen sehr schönen Ostersonntagsgottestdienst erlebt. Auch das Osterfrühstück, bei dem wir dem Jose erst mal erklären mussten, warum wir einen Teller Gras mit Eiern drauf auf dem Tisch stehen haben, durfte natürlich nicht fehlen. Später wurde dann Kuchen gebacken und am Nachmittag dann auch mit ein paar lieben Freunden gegessen. Es war kein typisches Ostern, aber ein sehr schöner und gemütlicher Sonntag mit schönen Stunden.
Trotzdem habe ich St. Ulrich, den Karmelkreuzweg, das Osterkerzenbasteln mit meinem Opa, den Frühlingsstrauss von meiner Mama und natürlich meine Familie vermisst, aber bin auch froh Ostern einmal ganz anders erlebt zu haben.

Liebe Grüsse nach Hause - Eure Daniela

Mehr Fotos gibts bald in Picasa zu sehen!