Freitag, 27. November 2009

Die Vulkanbesteigung

Hallo liebe Leser,

ich war auf dem Cotopaxi. Na ja, nicht ganz oben, aber immerhin auf 4800 Metern. Das ist ungefähr die Schneegrenze und der Standort der letzten Hütte vor dem Gipfel.
Der Cotopaxi ist mit 5.897 m der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde. Obwohl aktiv, ist er der am häufigsten bestiegene Berg des Landes.
Gewandert sind wir ab 4000 Metern. Und ja, die Luft ist da schon sehr dünn. Pflanzen gibt es keine mehr, nichtmal Gras, aber dafür viel Vulkangestein und rote Erde.
Das Wetter war beim Aufstieg leider nicht so schön und man hat auch den Gipfel nicht gesehen. Und der kalte Wind und der Schneeregen haben den Aufstieg nicht gerade einfacher gemacht, aber das Gefühl, als ich es geschafft hatte, die Beine schwer wie Blei, war so wunderbar und ich war einfach nur stolz. Die Aussicht auf die Hochebene war wunderschön und ich hab noch nie so warmen Tee genossen wie auf der Hütte, weil es einfach nur sooo kalt war. Der Abstieg war um einiges leichter, weil wir uns schon ein bisschen an die Höhenluft gewöhnt hatten und die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Ich glaube, wir waren alle ein bisschen stolz, oben gewesen zu sein und glücklich, dieses Erlebniss zu teilen.
Als wir fast wieder an unserem Auto auf 4000 Metern angekommen waren hat dann auf einmal die Wolkendecke aufgemacht und die wunderschöne Schneespitzte kam vor blauem Himmel zum Vorschein. Das war einfach überwältigend. So haben wir uns beeilt und unsere Brotzeit in der Sonne mit einem atemberaubenden Ausblick genosse
n und 1000ende von Fotos geschossen.
Die schönsten könnt ihr wieder in Picasa bewundern:


Montag, 23. November 2009

Unfreiwilliges Stromsparen für alle

Zur Zeit wird es in allen Haushalten in Ecuador regelmässig dunkel. Das liegt daran, dass die ecuadorianische Regierung fast täglich zu verschiedenen Zeiten die Stromzufuhr für ungefähr 3-4 Stunden kappt. Der Grund dafür liegt in demm ausbleibenden Regen, der für diese Jahreszeit normalerweise typisch ist, stattdessen haben wir aber jeden Tag Sonne satt.
Da der Strom hier aber weitgehend aus Wasserkraft gewonnen wird, wirkt sich dieses Klima dementsprechend drastisch auf den Energiehaushalt aus.
Inzwischen ist es für uns aber schon ganz normal geworden, dass um ca. 19 Uhr das Licht ausgeht und die Kerzen zum Einsatz kommen. Kochen können wir aber trotzdem, da unser Herd mit Gas betrieben wird und eigentlich sind wir sogar ein bisschen dankbar für die romantische Stimmung im Kerzenlicht, weil dann auch wir mal die Chance haben ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu kommen.

PS: Danke Doris, für die Kurbeltaschenlampe ;)

Dienstag, 17. November 2009

Süden und Norden von Quito

Mir hat letzte Woche jemand geschrieben, dass es man auf meinem Blog "ja echt nur gutes über Ecuador liest", aber wie ihr euch vielleicht denken könnt, ist hier nicht alles gut. Ecuador gehört hinsichtlich Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard zu den Schlusslichtern Südamerikas (Human Development Report).
Es ist wahr, dass mein Blog bis jetzt sehr positiv war, aber vielleicht habt ihr auch gemerkt, dass ich, seid ich im Süden von Quito wohne, nicht mehr so viele Einträge wie vorher geschrieben habe. Es gibt hier viele Dinge die ich gelernt habe und die mir bewusst geworden sind, die aber immer noch in einem Denkprozess und einfach in mir drinnen noch nicht fertig gedacht sind. Trotzdem möchte ich euch heute mal ein paar von meinen Gedanken schreiben.

Wie ihr wisst habe ich die ersten vier Wochen wohl behütet im Norden von Quito gewohnt, genauer gesagt in Cumbaya. Cumbaya ist, genau wie Tumbaco, ein Valley von Quito in dem hauptsächlich die wohlhabende Bevölkerungsschicht lebt. Dort ist der Unterschied zu Europa gar nicht so gross und man sieht auch viele "weisse" Menschen.
Dort haben die Familien schöne grosse Häuser mit einem Pool, grossen Autos, für jede Person der Familie eines. Gezahlt wird mit der Kreditkarte, die meistens über den Mann des Hauses abgerechnet wird. Die Universidad San Francisco in Cumbaya, ist eine der teuersten Universitäten in Ecuador und hat neben der Cafeteria einen eigenen i-Store. Ausserdem haben viele Familien ein Hausmädchen, für die Hausarbeit und die Kindererziehung.

Jetzt wohne ich im Süden von Quito, der sich in allem grundlegend unterscheidet, denn hier wohnt der ärmere Teil der Menschen. Fast alle Häuser sind nicht fertig gebaut, die Strassen sind in einem schlechteren Zustand, die Autos sind kleiner und älter, die Menschen sehen anders aus und die Geschäfte sind ecuatorianisch und nicht europäisch oder amerikanisch. Es gibt viele kleine Geschäfte, die einfach von allem ein bisschen was haben und für die Nachbarschaft der Supermarkt ist. In diese Geschäft kann man aber nicht reingehen, sondern es gibt eine kleine vergitterte Tür, durch die man sagt, was man will und es dann heraus gereicht bekommt. auch gibt es mehr Strassenstände, an denen einfache typisch ecuatorianische Gerichte angeboten werden. Alle Häuser sind von Mauern umgeben, die oben eine "Borte" von Glasscherben tragen.


Für mich ist es jetzt unter anderem schwierig mit meiner Gastfamilie Kontakt zu halten oder nach Cumbaya zu fahren, weil mich das einfach so unglaublich wütend macht - die Ignoranz und der verschwenderische Lebendsstil. Für die Menschen im Norden ist der Süden von Quito eine andere Stadt, den sie ignorieren und der einfach nicht zu ihnen gehört. Aber Fact ist einfach, dass in Ecuador 17,9 % der Menschen weniger als einem Dollar pro Tag zum Leben haben. Viele Kinder (fast die Hälfte aller Kinder im Land) müssen neben der Schule, wenn sie überhaupt in die Schule gehen, arbeiten. Es gibt zwar eine Schulplicht, die aber spärlich kontrolliert wird. Meistens verkaufen diese Kinder Zeitungen oder Süssigkeiten in den Bussen oder putzen Schuhe am Strassenrand. Aber soll man denn von diesen Kindern etwas kaufen? Oder unterstützt man damit nur die Kinderarbeit oder einen Hintermann, der den Kindern das Geld wieder abnimmt? Aber was, wenn das Kind arbeiten geht, um sich und seine Familie durchzubringen und das die einzige Möglichkeit ist? Ich befinde mich sehr oft in diesem Zwiespalt.

Aber es ist einfach die Menschen im Norden zu kritisieren und schlecht zu machen, aber wie ist es denn in Europa? Zuhause in München, in Unterschleissheim? Bei uns gibt es auch Armut und ich, wir schauen oft weg bzw. einfach nicht hin.
Selbst in Unterschleissheim unserer kleinen, "heilen" Stadt gibt es Freitags in St. Ulrich den Unterschleissheimer Tisch, an dem Menschen, denen das Geld für Lebensmittel fehlt, sich umsonst etwas holen können. Und es kommen immer Menschen und nicht wenige, die dort Hilfe suchen.
Ich musste erst nach Ecuador reisen um mir bewusst zu werden, was das eigentlich heisst, aber ich werde es nicht mehr vergessen.