Dienstag, 17. November 2009

Süden und Norden von Quito

Mir hat letzte Woche jemand geschrieben, dass es man auf meinem Blog "ja echt nur gutes über Ecuador liest", aber wie ihr euch vielleicht denken könnt, ist hier nicht alles gut. Ecuador gehört hinsichtlich Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard zu den Schlusslichtern Südamerikas (Human Development Report).
Es ist wahr, dass mein Blog bis jetzt sehr positiv war, aber vielleicht habt ihr auch gemerkt, dass ich, seid ich im Süden von Quito wohne, nicht mehr so viele Einträge wie vorher geschrieben habe. Es gibt hier viele Dinge die ich gelernt habe und die mir bewusst geworden sind, die aber immer noch in einem Denkprozess und einfach in mir drinnen noch nicht fertig gedacht sind. Trotzdem möchte ich euch heute mal ein paar von meinen Gedanken schreiben.

Wie ihr wisst habe ich die ersten vier Wochen wohl behütet im Norden von Quito gewohnt, genauer gesagt in Cumbaya. Cumbaya ist, genau wie Tumbaco, ein Valley von Quito in dem hauptsächlich die wohlhabende Bevölkerungsschicht lebt. Dort ist der Unterschied zu Europa gar nicht so gross und man sieht auch viele "weisse" Menschen.
Dort haben die Familien schöne grosse Häuser mit einem Pool, grossen Autos, für jede Person der Familie eines. Gezahlt wird mit der Kreditkarte, die meistens über den Mann des Hauses abgerechnet wird. Die Universidad San Francisco in Cumbaya, ist eine der teuersten Universitäten in Ecuador und hat neben der Cafeteria einen eigenen i-Store. Ausserdem haben viele Familien ein Hausmädchen, für die Hausarbeit und die Kindererziehung.

Jetzt wohne ich im Süden von Quito, der sich in allem grundlegend unterscheidet, denn hier wohnt der ärmere Teil der Menschen. Fast alle Häuser sind nicht fertig gebaut, die Strassen sind in einem schlechteren Zustand, die Autos sind kleiner und älter, die Menschen sehen anders aus und die Geschäfte sind ecuatorianisch und nicht europäisch oder amerikanisch. Es gibt viele kleine Geschäfte, die einfach von allem ein bisschen was haben und für die Nachbarschaft der Supermarkt ist. In diese Geschäft kann man aber nicht reingehen, sondern es gibt eine kleine vergitterte Tür, durch die man sagt, was man will und es dann heraus gereicht bekommt. auch gibt es mehr Strassenstände, an denen einfache typisch ecuatorianische Gerichte angeboten werden. Alle Häuser sind von Mauern umgeben, die oben eine "Borte" von Glasscherben tragen.


Für mich ist es jetzt unter anderem schwierig mit meiner Gastfamilie Kontakt zu halten oder nach Cumbaya zu fahren, weil mich das einfach so unglaublich wütend macht - die Ignoranz und der verschwenderische Lebendsstil. Für die Menschen im Norden ist der Süden von Quito eine andere Stadt, den sie ignorieren und der einfach nicht zu ihnen gehört. Aber Fact ist einfach, dass in Ecuador 17,9 % der Menschen weniger als einem Dollar pro Tag zum Leben haben. Viele Kinder (fast die Hälfte aller Kinder im Land) müssen neben der Schule, wenn sie überhaupt in die Schule gehen, arbeiten. Es gibt zwar eine Schulplicht, die aber spärlich kontrolliert wird. Meistens verkaufen diese Kinder Zeitungen oder Süssigkeiten in den Bussen oder putzen Schuhe am Strassenrand. Aber soll man denn von diesen Kindern etwas kaufen? Oder unterstützt man damit nur die Kinderarbeit oder einen Hintermann, der den Kindern das Geld wieder abnimmt? Aber was, wenn das Kind arbeiten geht, um sich und seine Familie durchzubringen und das die einzige Möglichkeit ist? Ich befinde mich sehr oft in diesem Zwiespalt.

Aber es ist einfach die Menschen im Norden zu kritisieren und schlecht zu machen, aber wie ist es denn in Europa? Zuhause in München, in Unterschleissheim? Bei uns gibt es auch Armut und ich, wir schauen oft weg bzw. einfach nicht hin.
Selbst in Unterschleissheim unserer kleinen, "heilen" Stadt gibt es Freitags in St. Ulrich den Unterschleissheimer Tisch, an dem Menschen, denen das Geld für Lebensmittel fehlt, sich umsonst etwas holen können. Und es kommen immer Menschen und nicht wenige, die dort Hilfe suchen.
Ich musste erst nach Ecuador reisen um mir bewusst zu werden, was das eigentlich heisst, aber ich werde es nicht mehr vergessen.

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