Hallo liebe Daheimgebliebenen,
erst mal möchte ich euch allen ganz frohe Ostern wünschen! Ich hoffe ihr hattet schöne erholsame Feiertage mit Familie und Freunden und hoffentlich auch mit ein bisschen Sonnenschein.
Meine Osterfeiertage waren auch recht schön und sehr erlebnisreich. Als erstes in den Festlichkeiten kam wohl das "Fanesca" essen am Gründonnerstag. Die Fanesca ist eine Art Eintopf aus 14 Getreide und Maissorten zubereitet und das traditionelle Gericht zu Ostern. Die meisten Körner die da reinkommen kennen wir in Deutschland nicht einmal, so wie Chocho oder Melloco. Mir hat es jedenfalls recht gut geschmeckt, auch wenn man nicht mehr als einen Teller essen kann, weil es einfach zu mächtig ist. Dazu gibt es dann fritierte Bananen und Backerbsen in gross und zum Nachtisch Milchreis und eingelegte Feigen. Der grösste Spass war allerdings eher das Vorbereiten der Zutaten am Tag vorher. Habt ihr schon mal Maiskörner geschählt? Ich schon! Auch wenn ich den Sinn dahinter immer noch nicht ganz verstehe, war die Schlacht mit dem Jose nachdem schälen mit den Schalen ein ziemlicher Spass.. nur das putzen danach war nicht so der Hit =)Am Karfreitag waren die Verena und ich in der Altstadt bei der bekannten Prozession "de Jesus del gran poder". Diese Prozession war auf jedenfall ein Erlebnis, das wir so schnell nicht wieder vergessen. Ein ganz wichtiger Part dieses Spaktakels sind die Cucuruchos in ihren violetten gewändern. Es war eine eigenartige Stimmung in den Strassen vom Centro Historico von Quito. Ein Schauplatz von Menschen, die einen Leidensweg gehen wollen, wie Jesus. In der prozession wechseln sich "normale Menschen", Blaskapellen und Gruppen von Cucuruchos ab. Diese Gruppen lassen mir jedesmal einen richtigen Schauer über de

n Rücken laufen. Viele von den vermummten Büssern laufen den ganzen Weg Barfuss oder mit einem Stück Karton mit Klebeband an den Füssen. Viele haben Jesusstatuen in der Hand und einige Männer religiöse Parolen auf den nackten Oberkörper geschrieben. Jede 20 Meter kommt ein Mann als Jesus verkleidet mit einem Kreuz auf dem Buckel, manche kleiner, manche halbe Maibäume. Zwischendrinnen kommen junge Männer die sich selbst geiseln - indem sie sich Brennesselbüschel oder Seile mit Knoten immer wieder auf den Rücken schlagen, mit Ketten an den Füssen laufen, den ganzen Weg einen Querbalken, an den die Arme festgebunden sind, auf den Schultern tragen oder sich den Oberkörper mit Stacheldraht einbinden. Da war ein Junge, so alt wie ich, wenn nicht noch jünger, dessen Rücken schon ganz offen war, wegen dem Seil, mit dem er sich geschlagen hat. Ich frage mich immer wieder, was diesen Jungen dazu bringt das zu tun? Es war eine gruselige Stimmung und ich hätte gerne die Gedanken der Selbstgeiseler gehört, um zu wissen was sie dazu bewegt.


Am Karsamstag hatten wir eine grosse Aktion der Jugend im Süden von Quito - die Caminata al Cinto, eine Wanderung zu einer kleinen Kapelle auf einem der umliegenden Berge. Das war wirklich schön und auch ganz schön anstrengend. Zwei Stunden berauf und

wir waren angekommen und hatten einen wunderschönen Blick auf pure grüne Landschaft. Aber was einfach gefehlt hat, war das gute Schwarzbrot und der Tee wie beim Karmelkreuzweg. Der Jugendgottesdienst mit andiner Band und 300 Jugendlichen war sehr schön und hat uns auch ein bisschen mehr auf Ostern eingestimmt. Der Absieg war dann nicht mehr so schlimm, ausser das wir ein bisschen improvisieren mussten, weil wir uns verlaufen hatten. Aber wer mag nicht ein bisschen Abenteuer?!
Am Sonntag haben die Verena und ich uns mal wieder in der deutschen Gemeinde blicken lassen und einen sehr schönen Ostersonntagsgottestdienst erlebt. Auch das Osterfrühstück, bei dem wir dem Jose erst mal erklären mussten, warum wir einen Teller Gras mit Eiern drauf auf dem Tisch stehen haben, durfte natürlich nicht fehlen. Später wurde dann Kuchen gebacken und am Nachmittag dann auch mit ein paar lieben Freunden gegessen. Es war kein typisches Ostern, aber ein sehr schöner und gemütlicher Sonntag mit schönen Stunden.
Trotzdem habe ich St. Ulrich, den Karmelkreuzweg, das Osterkerzenbasteln mit meinem Opa, den Frühlingsstrauss von meiner Mama und natürlich meine Familie vermisst, aber bin auch froh Ostern einmal ganz anders erlebt zu haben.
Liebe Grüsse nach Hause - Eure Daniela
Mehr Fotos gibts bald in Picasa zu sehen!